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Warum Krafttraining gerade für Zahnärzte unverzichtbar ist

Lucas Wollhofen und Andreas Sitz
23. Juli
3 Min. Lesezeit

Nach einem langen Arbeitstag kennen viele Zahnärztinnen und Zahnärzte das Gefühl:

Der Nacken ist verspannt, die Schultern ziehen, der Rücken fühlt sich steif an und

selbst die Unterarme sind müde. Kein Wunder – stundenlanges Arbeiten in statischen,

oft asymmetrischen Positionen stellt hohe Anforderungen an den Bewegungsapparat.

Viele versuchen, diese Beschwerden mit Massagen oder gelegentlichen Dehnübungen

zu lösen. Diese Maßnahmen können kurzfristig angenehm sein, beseitigen jedoch

selten die eigentliche Ursache: Der Körper ist den täglichen Belastungen langfristig

nicht ausreichend gewachsen.


Genau hier setzt Krafttraining an.


Moderne wissenschaftliche Erkenntnisse zeigen eindeutig, dass regelmäßiges

Krafttraining weit mehr bewirkt als den Muskelaufbau für Sportler. Es gehört heute zu

den wirksamsten Maßnahmen, um Schmerzen vorzubeugen, die körperliche

Leistungsfähigkeit zu erhalten und die Gesundheit bis ins hohe Alter zu fördern.

Gerade für Zahnärzte kann Krafttraining daher eine entscheidende Investition in die

eigene berufliche Zukunft sein.


Krafttraining bedeutet mehr als große Muskeln


Viele Menschen verbinden Krafttraining noch immer mit Bodybuilding oder

Fitnessstudios.


Dabei verfolgt gesundheitsorientiertes Krafttraining ein völlig anderes Ziel:

Es geht darum,

  • Belastbarkeit aufzubauen,

  • Schmerzen vorzubeugen,

  • den Körper widerstandsfähiger zu machen

  • und alltägliche Belastungen besser zu bewältigen.


Bereits zwei Trainingseinheiten pro Woche reichen aus, um deutliche gesundheitliche

Verbesserungen zu erzielen.


Was passiert im Muskel?


Muskeln passen sich jeder Belastung an.

Beim Krafttraining entstehen kleine mechanische Reize, auf die der Körper mit

Anpassungen reagiert.


Die Muskulatur wird

  • kräftiger,

  • ausdauernder,

  • koordinierter

  • und ermüdet deutlich langsamer.


Für Zahnärzte ist besonders wichtig, dass die Haltemuskulatur im Schultergürtel,

Rücken und Nacken über viele Stunden nahezu ununterbrochen arbeitet.

Je besser diese Muskulatur trainiert ist, desto geringer ist die relative Belastung

während eines Behandlungstages.


Eine Haltung, die für einen untrainierten Muskel bereits anstrengend ist, stellt für einen

trainierten Muskel oft nur einen kleinen Teil seiner maximalen Leistungsfähigkeit dar.


Das bedeutet:

Nicht die Arbeit wird leichter – sondern der Körper wird belastbarer.


Auch Sehnen, Faszien und Bindegewebe profitieren


Krafttraining beeinflusst nicht nur Muskeln. Auch Sehnen, Bänder und das gesamte kollagene Bindegewebe reagieren auf regelmäßige Belastung. Studien zeigen, dass sich unter geeignetem Krafttraining

  • die Kollagenproduktion erhöht,

  • Sehnen steifer und belastbarer werden,

  • das Verletzungsrisiko sinkt

  • und degenerative Veränderungen verlangsamt werden können.


Gerade bei Berufen mit vielen wiederholten Bewegungen spielt diese Anpassung eine

enorme Rolle. Ein belastbares Gewebe toleriert hohe Arbeitsumfänge deutlich besser.


Krafttraining schützt Knochen und Gelenke


Viele Menschen glauben, Krafttraining schade den Gelenken. Tatsächlich zeigt die wissenschaftliche Evidenz genau das Gegenteil. Mechanische Belastung ist einer der wichtigsten Reize für den Knochenstoffwechsel. Regelmäßiges Krafttraining

  • erhöht die Knochendichte,

  • reduziert das Osteoporoserisiko,

  • verbessert die Gelenkstabilität

  • und unterstützt den Knorpelstoffwechsel durch wechselnde Druck- und

  • Entlastungsphasen.


Gerade mit zunehmendem Alter gewinnt dieser Effekt immer mehr an Bedeutung.


Die positiven Effekte gehen weit über den Bewegungsapparat hinaus


In den letzten Jahren wurde deutlich, dass Krafttraining praktisch jedes Organsystem

positiv beeinflusst.


Herz-Kreislauf-System


Regelmäßiges Krafttraining kann

  • den Blutdruck senken,

  • die Gefäßfunktion verbessern,

  • das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen reduzieren

  • und die allgemeine körperliche Leistungsfähigkeit erhöhen.


Stoffwechsel


Die Muskulatur ist eines der wichtigsten Stoffwechselorgane unseres Körpers.

Mehr Muskelmasse verbessert

  • die Insulinsensitivität,

  • den Blutzuckerstoffwechsel,

  • die Fettverbrennung

  • und reduziert das Risiko für Typ-2-Diabetes.


Immunsystem


Regelmäßiges Training wirkt entzündungshemmend.


Muskelkontraktionen setzen sogenannte Myokine frei – Botenstoffe, die systemisch in

unserem Körper wirken. Diese sind in der Lage Entzündungsprozesse zu regulieren und

können das Wachstum von Tumorzellen hemmen. Zudem aktivieren sie das

Immunsystem, damit natürliche Killerzellen (T-Zellen) entartete Zellen besser erkennen

und bekämpfen können.


Chronisch erhöhte Entzündungswerte stehen mit vielen Erkrankungen in

Zusammenhang. Krafttraining hilft dabei, diese niedrig zu halten.


Gehirn und Psyche


Auch unser Gehirn profitiert. Studien zeigen Verbesserungen von

  • Konzentration

  • Gedächtnis

  • Stressresistenz

  • Schlafqualität

  • und allgemeinem Wohlbefinden.


Zudem reduziert regelmäßiges Krafttraining das Risiko für Depressionen und

Angststörungen. Gerade in Berufen mit hoher mentaler Belastung stellt dies einen oft unterschätzten

Vorteil dar.


Praktische Tipps zum Krafttraining und wie die Intensitätssteuerung funktionieren

sollte, verraten wir im nächsten Blogpost.



Quellen:

American College of Sports Medicine (ACSM). ACSM Position Stand:

Progression Models in Resistance Training for Healthy Adults. Medicine &

Science in Sports & Exercise. 2009;41(3):687–708.

→ Standardreferenz zu Trainingsprinzipien.


Fragala MS, et al. Resistance Training for Older Adults: Position Statement

From the National Strength and Conditioning Association. Journal of

Strength and Conditioning Research. 2019. → Sehr gute Zusammenfassung der systemischen Effekte.


Westcott WL. Resistance training is medicine. Current Sports Medicine

Reports. 2012. → Überblick über gesundheitliche Vorteile.


Winett RA, Carpinelli RN. Potential health-related benefits of resistance

training. Preventive Medicine. 2001. → Klassiker mit vielen systemischen Effekten.


Lauersen JB, Bertelsen DM, Andersen LB. The effectiveness of exercise

interventions to prevent sports injuries. British Journal of Sports Medicine.6. 7. 8. 2014. → Zeigt den präventiven Effekt von Krafttraining auf Verletzungen.


Borde R, Hortobágyi T, Granacher U. Dose–Response Relationships of

Resistance Training in Healthy Older Adults. Sports Medicine. 2015. → Evidenz zu Trainingshäufigkeit und Anpassungen.


Hayes MJ, Cockrell D, Smith DR. A systematic review of musculoskeletal

disorders among dental professionals. International Journal of Dental

Hygiene. 2009. → Spezifisch für Zahnärzte.


Lietz J, et al. Prevalence and occupational risk factors of musculoskeletal

diseases among dentists. International Journal of Environmental Research

and Public Health. 2018.

 
 
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